13. Oktober 2017

EuK-Jahrestagung: Gemeinschaft ist nicht machbar

Prälatin Gabriele Wulz auf der Jahrestagung von Euk im Bernhäuser Forst.

„Kirche ohne Gemeinschaft ist nicht denkbar. Aber Gemeinschaft ist auch nicht machbar“, sagte Prälatin Gabriele Wulz auf der Jahrestagung von „Evangelium und Kirche“ am 13. Oktober im Bernhäuser Forst.

Viele Kirchengemeinden versuchen, Gemeinschaftserlebnisse anzubieten. „Menschen brauchen Gemeinschaft“, erinnerte Wulz. Gleichzeitig seien die Erwartungen an Gemeinschaft verschieden. Manchmal widersprechen sich die Vorstellung von Gemeinschaft auf. „Was für die einen schön ist, finden andere eklig“, erzählte die Prälatin von ihren Erfahrungen. „Gemeinschaft ist nicht nur immer beflügelnd und schön. Aber sie ist wichtig“.

Zur Gemeinschaft in der Kirche gehöre Glauben. Es sei entlastend, wenn den Gemeindegliedern bewusst ist, dass ihre Gemeinschaft nicht beweisen muss, dass Gott existiert. Das mache Gott schon selber. Die Aufgabe des Pfarrers und der Pfarrerin sei, den Menschen beim Verstehen zu helfen, was Gemeinschaft im christlichen Sinn bedeutet und wo die Grenzen sind.

Kritische Fragen zur Verwurzelung der Kirchen in der Gesellschaft stellte Dr. Thomas Großbölting, Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster: „Warum ist unsere Gesellschaft nicht christlicher geprägt, obwohl die Kirche heute viele Privilegien hat?“ Die Gründe dafür sieht Großbölting in dem Versäumnis der Kirchen, Antworten auf die Fragen der Menschen zu geben, die Religiosität suchen. Stattdessen hätten die Kirchen in Fragen, die keinen Bekenntnisstand hätten, Gehorsam eingefordert, wie zum Beispiel in der Sexualmoral, und sich so von der Bevölkerung entfernt. „Gleichzeitig hat man auf der politischen Ebene das Christentum mehr und mehr ausgehöhlt zu einem kulturellen Artefakt“, beschrieb der Historiker das Dilemma. Auch der Religionsunterricht sei erfolgreich als religionswissenschaftliche Unterweisung, trage aber nichts dazu bei, die Kirchen als Konfession zu stärken. „Die religiöse Aktivität ist gedämpft. Wir haben einen religiösen Frieden, weil viele schlafen,“ beurteilte Großbölting die Situation.

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