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15.07.2010

Trauerspiel "Haus Birkach"

(Kommentar von Andreas Roß)

Aha. Die Landessynode hat den Oberkirchenrat gebeten, eine Gesamtkonzept für alle Bildungsstätten vorzulegen, das das langfristige Kosten-Nutzen-Verhältnis einbezieht. Das klingt verdächtig nach einem Deja-vu-Erlebnis. Warum kommt uns dieses Ansinnen nur so bekannt vor? Vielleicht, weil die Landeskirche seit 2001 an einer Bildungskonzeption bastelt, die nicht nur die Inhalte der landeskirchlichen Bildungslandschaft ordnen, sondern auch die Frage nach den Gebäuden klären soll. Das sind nun neun Jahre! Was ist seither geschehen? Im Jahr 2006 wurde die Frage in der Öffentlichkeit diskutiert, ob das Haus Birkach noch zu halten ist. Daraufhin wurden Konzepte erstellt, Gutachten eingeholt und Kosten kalkuliert. Viele Arbeitsgruppen waren am Werk, die zum Teil gute Arbeit geleistet und bei allem Lobbyismus brauchbare Ergebnisse vorgelegt haben. Da sich alles aber immer weiter hingeschleppt hat, gibt es heute mehr Frustrierte als jemals zuvor. Verständlich.
Heute ist glasklar erwiesen, dass die landeskirchlichen Tagungshäuser Überkapazitäten haben, die die Landeskirche jährlich viel Geld kosten. Dass das Kloster Denkendorf inzwischen stillgelegt wurde, hilft da nur bedingt weiter. Viele Dienststellen wurden in das Haus Birkach umgezogen, bei dem möglicherweise aber eine Generalüberholung ansteht.
Und nun bittet die Synode den Oberkirchenrat um ein Gesamtkonzept? Als ob jahrelang nichts geschehen sei? Da bleibt dem Beobachter nur Kopfschütteln.
Der Schwarze Peter liegt beim Oberkirchenrat. Was fehlt, ist der Wille, endlich Entscheidungen zu treffen. Gegenläufige Kräfte und Abteilungsdenken in der Kirchenverwaltung, gepaart mit der eklatanten Abwesenheit von Mut, haben den Prozess jahrelang hinausgezögert. Es liegen inzwischen genügend Daten und Erkenntnisse vor, um intelligente Entscheidungen treffen zu können. Dass niemand imstande war, daraus eine Gesamtkonzeption mit nachhaltiger Kostenkalkulation zu erstellen, macht sprachlos. Mein Beileid den Landessynodalen, die beharrlich vom Oberkirchenrat Zahlen sehen wollten, aber nur schleppend und unvollständig bekommen haben. Der neue Beschluss der Landessynode ist kein Vorschritt, sondern kennzeichnet den Stillstand. Nur eines ist 2010 anders: Der Karren steckt viel tiefer im Dreck.

Andreas Roß

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Der von der Synode verabschiedete Antrag zum Haus Birkach im Wortlaut:

"Der Oberkirchenrat wird gebeten, den Antrag auf Abbruch von Haus Birkach zunächst weiter zu verfolgen. Der Oberkirchenrat wird gebeten, ein Gesamtkonzept für alle Bildungsstätten vorzulegen, aus dem deutlich wird, wie langfristig eine möglichst ausgelastete Nutzung der Tagungsstättenbereiche und Büros erfolgen kann und wie die eventuell entstehenden Mehraufwendungen durch eine Sanierung von Birkach aus dem Gebäudebereich gegenfinanziert werden können. Der Oberkirchenrat wird gebeten, zur Vorbereitung einer Entscheidung in der Haushaltssynode im November die weitere Prüfung der Baukosten unter den Bedingungen des Denkmalschutzes und der Energiesanierung durchzuführen und die weiteren notwendigen Planungen für die Übergangsquartiere voranzutreiben."

Autor: Andreas Roß

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