Aktuelle Meldungen

19.07.2010

Bericht von der Sommersynode

Vom Sparen und dem Blick auf Arme unter uns
(Diesen Bericht und die Erklärung der Synode können Sie am Seitenende als PDF herunterladen.)

Die Sommertagung der Landessynode fand vom 15.-17.7.2010 in Freudenstadt statt.
Der Kirchenbezirk Freudenstadt verband dieses Ereignis mit einem Abend der Begegnung am 16.7.2010. Dessen Höhepunkt war, dass sich alle diakonischen Einrichtungen, ehrenamtlich diakonisch tätigen Initiativen, diakonischen Ausbildungsstätten und Gemeindediakonie als ein gemeinsames Netzwerk im Kirchenbezirk Freudenstadt verstehen und sich als solches präsentierten. Mehrere Kirchenchöre, eine Delegation aus der kamerunischen Partnerstadt, ein Kinder- und der Bezirksposaunenchor umrahmten das Programm und die Abendandacht.

Bischofsbericht
Auf den Weg geschickt- Landesbischof July stellte in Fortsetzung zu seinem im März gehaltenen Bericht Gedanken vor, die sich mit dem Auftrag der Kirche in Blick auf zurückgehende Gemeindegliederzahlen und veränderten finanziellen Möglichkeiten beschäftigten. Als zentrales Zielbild für eine Neustrukturierung des Pfarrdienstes nannte Landesbischof July die Präsenz in der Fläche und die Vielfalt an Gestaltungsformen, in denen Verkündigung in Kirche und Gesellschaft geschehen soll.
Dem Pfarrdienst soll weiterhin wichtige Bedeutung als Schlüsselberuf in der Kirche zukommen. Allerdings sei die Konzentration auf die Kernaufgaben Theologie und Seelsorge notwendig. Dies verlange ein anderes Gemeindeverständnis und die Neustrukturierung der Verwaltung auf allen Ebenen.

Hanna Fuhr, Reutlingen würdigte für den Gesprächskreis Evangelium und Kirche die Entschiedenheit, mit der bewährte und tradierte Strukturen geprüft werden sollen und verwies auf die unaufgebbare Präsenz in allen kirchlichen Handlungsfeldern, in denen kirchliche und gesamtgesellschaftliche Aufgaben ineinander greifen wie z.B. im Religionsunterricht, im Krankenhaus, in der Elementarbildung und in der Gesellschaftsdiakonie. Sie forderte, dass bei der Neukonzeption der Vikariatsausbildung der gemeindepädagogischen Ausbildung hoher Stellwert beigemessen bleiben müsse. Die vorgeschlagene Neuordnung von Zuständigkeiten des Pfarrers/der Pfarrerin über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus dürfe die Bedeutung des Gottesdienstes als Ort der öffentlichen Wortverkündigung nicht schmälern. Gottesdienst müsse Ort der Erinnerung für die Existenz Gottes und das Wirken seines Geistes in der sichtbaren und erfahrbaren Gemeinschaft bleiben. Eine von oben verordnete flächendeckende Konzentration von Verwaltungsaufgaben lehnte Fuhr ab. Die Vielgestaltigkeit von Gegebenheiten, insbesondere im ländlichen und vorstädtischen Bereich, müsse ausreichend Berücksichtigung finden. Kirchengemeinden bräuchten ausreichend Gestaltungsspielräume und Ermutigung zur Kooperation und fachlich kompetente Begleitung. Dies sei auch für die vorgeschlagene Koppelung von Sonder- und Gemeindepfarrdienst unverzichtbar, die der Gesprächskreis Evangelium und Kirche grundsätzlich unterstützt.

Nachhaltige Finanzplanung
Auch im Bereich der Finanzplanung soll auf die Veränderungen vorbereitet werden.
Oberkirchenrat Kastrup will mit der Definition eines Nachhaltigkeitsniveaus das Ziel setzen, die vorhandenen Ressourcen mit künftigen Generationen von Kirchenmitgliedern zu teilen, ihnen eine Kirche zu hinterlassen, die sie noch selbst gestalten können und keine untragbaren Lasten zu generieren.

Haus Birkach
Auf Grund der wegen nicht vorhandener Brandschutzgegebenheiten drohenden Schließung des Gebäudes ab August 2011 werden bis zur Herbstsynode 2010 folgende Maßnahmen verfolgt: Ein Antrag des OKR auf Abbruchgenehmigung wird zunächst weiter verfolgt, ebenso eine Prüfung der Rechtslage, ob die Erhaltung des Hauses denkmalschutzrechtlich zumutbar ist. Es soll ein Gesamtkonzept für alle Bildungsstätten vorgelegt werden. Eine Prüfung der Baukosten unter den Bedingungen des Denkmalschutzes sowie einer energetischen Sanierung ist ebenso bis zum Herbst durchzuführen. Zu diesem TOP erfolgte eine kontroverse und engagierte Diskussion.

Sparmaßnahmen
Die aufgrund der aktuellen Finanzsituation notwendigen Einsparungsmaßnahmen werden zur Zeit in einem breiten Diskussionsprozess zwischen Oberkirchenrat und Landessynode beraten. Im landeskirchlichen Haushalt sollen ab 2011 dauerhaft 10,17 Mio € weniger Ausgaben geplant werden. Oberkirchenrat und Synode haben dafür eine gemeinsame Kürzungsliste erstellt. Die endgültige Entscheidung über die einzelnen Bereiche und ihren Anteil an der Gesamtsumme ist in der Herbstsynode 2010 zu treffen.
Dr. W. Dalferth, Crailsheim, betonte, dass EuK klar hinter der vorgelegten gemeinsamen Kürzungsliste steht, will aber eine vielseitig aktive Kirche in vielfältigen Diensten der Landeskirche erhalten. „Evangelium und Kirche“ fordert Maßnahmen, durch die Geld für inhaltliche Arbeit und Arbeit mit Menschen erhalten bleibt: die Umsetzung des Immobilien- und Tagungsstätten-Managements und stellt zwei Anträge: Neustrukturierung der Arbeitsbereiche in Bad Boll (Nr. 13/10, verwiesen an Ausschuss Kirche, Gemeinde,Öffentlichkeit) sowie Förderung von Gemeinden anderer Sprache, durch deren Kirchenmitgliedschaft in unserer Landeskirche weitere Kirchensteuermittel eingebracht werden könnten (verwiesen an den Theol. Ausschuss).
Gertrud Dorn, Stuttgart, forderte dazu auf, die Arbeit der Ehrenamtlichen mehr zu würdigen, die fachlich kompetente Begleitung und Schulung für ihre Mitarbeit benötige, Einsparungen in diesem Bereich seien gründlich abzuwägen. Eva Glock, Heidenheim, führte aus, dass kirchliche Wahrnehmungsfelder theologisch gut begleitet werden müssen, wie z.B. die Arbeit im Büro der Gleichstellungsbeauftragten, wo leise, dringend nötige, in längerfristigen Zeiträumen erfolgreiche Arbeit geleistet werde.

Thema Arm/Reich
Der Schwerpunkttag „Reichtum braucht ein Maß, Armut eine Grenze“ begann am Mittwochabend, 15.7., mit Interviews, die die Lebenssituation von Menschen aufzeigten, die mit Hartz IV, also wenig Geld, leben müssen. Die Situation von Alleinerziehenden und die schwierige medizinische Versorgung wurden in persönlichen Schilderungen angesprochen. Außerdem gab Pfr. Silfredo Dalferth Auskunft über die Lebensbedingungen ärmster Menschen in Brasilien.
Am 16.7. wurde vom Vorsitzenden des Sonderausschusses „Globalisierung - Arm und Reich“ die vorbereitete Erklärung zum Thema vorgestellt. Synodale und Gäste trafen sich in zehn Arbeitsgruppen, in denen nach fachlichen Impulsen Themen wie „Gerechtigkeit in der Bibel“, „Armut und Hunger“, „Armut und Teilhabe“, „Arm trotz Arbeit“ u.a. das Tagesthema in unterschiedlichsten Facetten beleuchteten und im Blick auf die zu verabschiedende Erklärung Ergänzungen erarbeitet wurden. Nach lebhafter Diskussion und einigen Kompromissen wurde die Erklärung „Reichtum braucht ein Maß, Armut eine Grenze“ mehrheitlich verabschiedet. Sie können die Erklärung am Seitenende einsehen oder herunterladen.

Eingeleitet wurde der Schwerpunkttag mit einem Vortrag von Prof. René Krüger aus Buenos Aires: „Arm und Reich - gottgewollt oder von Menschen gemacht? Die Perspektive der Bibel“.
Schlüssig mündete der Vortrag in drei Stichworte, die ein komplettes Programm enthalten: Sehen – Urteilen - Handeln. Prof. Krüger forderte auf, die Perspektive der Opfer und Schwachen aufzunehmen, die Bibel mit ihren Augen neu zu lesen und die Problematik ihrer Gegenwart zu begreifen. Sein Fazit: Kirche muss Solidarität praktizieren und die prophetische Stimme erheben. Die Kirche brauche Visionen, Hoffnung, missionarische Impulse und Begeisterung für das Evangelium, nicht nur Arbeiten an Strukturen und Finanzen mit Statistiken und Anschauungsbildern .

Bundesumweltminister a.D. Klaus Töpfer fasste Problematiken der Ernährungssituation und demograph. Entwicklung der Weltbevölkerung zusammen. Er ging auf seine Erfahrungen als Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi ein, auf Folgen und Ziele der Umweltpolitik in aufstrebenden Ländern Asiens und Afrikas. Er zeigte notwendige Änderungen im eigenen Verhalten mit dem Umgang von Ressourcen auf und machte Mut, weitere technische Neuerungen in den kommenden Jahren zu entwickeln. Als Beispiel nannte er die heute übliche Verwertung von Mischkunststoffen aus der Wertmüllsammlung, die in den Anfängen der Sammlungen noch gar nicht absehbar war.

Prof. Claudia Schulz, Ludwigsburg, gab unter dem Thema „Woran erkennt man Armut in der Gemeinde“ Hinweise, wie die versteckte Armut von Betroffenen wahrgenommen wird, warum Angebote von Kirchengemeinden oft nicht von Betroffenen angenommen werden. Schulz gab Tipps, wie die Wahrnehmung von Kirchengemeinden und Hilfsangebote verbessert werden können, um Gemeinden als Orte der Hoffnung und Perspektiven lebendig zu halten.

Der letzte Sitzungstag
Am 17.7. wurden Förmliche Anfragen beantwortet zur Umsetzung energiesparender Maßnahmen, Wiederbesetzung der Stelle des Kirchl. Dienstes in der Arbeitswelt Heilbronn, Umsetzung der Substanzerhaltungsrücklage in den Gemeinden, Ankündigung der Gründung von Gemeinschaftsgemeinden.

Die eigenständigen Anträge sind auf unserer Homepage www.evangelium-und-kirche.de vorgestellt und kommentiert. Im Wortlaut finden Sie die Anträge auf der Seite der Landeskirche.

Vom OKR wurde ein Entwurf der Änderung des württ. Pfarrergesetzes und des Kirchenbeamtenausführungsgesetzes zu einer bis 31.12.2018 befristeten Vorruhestandsregelung eingebracht und an den Rechtsausschuss verwiesen.

Der OKR informierte über die Personalstrukturplanung für Religionspädagogen/-innen. Diese Modellrechnung hat sich bewährt und sichert den Überblick zum künftigen Stellenbedarf im Bereich des Religionsunterrichts.

Oberkirchenrat Kastrup erläuterte die Finanzentwicklung der Landeskirche für den Zeitraum 2010 -2014. Die Landeskirche stehe aus heutiger Sicht für diesen Zeitraum gut da.

Inge Raab betonte: „Wenn wir nicht in die Rücklagen greifen müssen, heißt das noch lange nicht, dass wir die Ausgaben erhöhen dürfen." Der Gesprächskreis stehe hinter der Arbeit der AG Zukunft. Es müsse vom Aufbau von Aufgaben zum deren Umbau kommen.

Genauere Informationen zum Verlauf der Sommersynode finden Sie im Internet unter www.elk-wue.de.

Autor: Sigrid Erbes-Bürkle

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