Kirchenwahlen: Demokratie der Besserverdienenden?

Anzahl der Sitze für die jeweiligen Gesprächskreise bei der Kirchenwahl 1995 bis 2013

Die Kirchenwahlen 2013 in Württemberg wurden von Prof. Dr. Herbert Lindner, außerplanmäßiger Professor für Praktische Theologie in Neuendettelsau, wissenschaftlich ausgewertet. Auf der Sommertagung 2014 der württembergischen Landessynode hat Lindner die Ergebnisse seines Teams vorgestellt.  

Mit 24 Prozent hat Württemberg unter den großen Landeskirchen in der EKD die höchste Wahlbeteiligung. Seit 1976 ist diese jedoch um ein Viertel geschrumpft. Vom Jahr 2000 an konnte der Rückgang gestoppt werden. Je größer die Gemeinden sind, desto niedriger die Wahlbeteiligung. Je mehr Evangelische in einer Kommunen leben, desto höher die Beteiligung. Wer sich als Teil des Gemeinwesens versteht, gut situiert und gebildet ist und Arbeit hat, geht eher wählen. „Unsere Demokratie ist eine Demokratie der Besserverdienenden geworden“, so Lindner. 82 Prozent der Kirchengemeinden haben bei der letzten Wahl Briefwahl angeboten. Durch diesen Service konnte die sinkende Tendenz der Wahlbeteiligung kompensiert werden. Der Gesprächskreis „Offene Kirche“ hat dort gewonnen, wo die Wahlbeteiligung niedrig ist und wenige Evangelische leben. Bei der „Lebendigen Gemeinde“ war es genau umgekehrt. Für die Wahlergebnisse von EuK und „Kirche für Morgen“ gibt es keinen einfachen Zusammenhang der Wahlergebnisse mit Zahl der Evangelischen und der Höhe der Wahlbeteiligung. In 67 Prozent der Gemeinden (2007: 42 Prozent) gab es keine echte Wahl, weil es genau so viele Bewerber wie Sitze gab. Dekan Wilfried Braun (EuK) regte an, dass Ehrenamtliche künftig besser gepflegt werden sollten. Dass Fortbildungen für sie kostenlos seien, sei eine Selbstverständlichkeit. Dass Kirchengemeinderäte mit ihrer Wahl automatisch zu Hausmeisterdiensten herangezogen würden und zugleich zu Gemeindebriefausträgern befördert werden, sei ungut. Weiter berichtete er, dass sich in Backnang Jugendliche durch gezielte Ansprache zur Wahl hätten motivieren lassen. Öffentlichkeitsarbeit sei weiter zu verstärken.  

EuK bleibt dritte Kraft

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Bei der Kirchenwahl verlor EuK drei Sitze im Vergleich zu 2007. (Foto: Thomas Siepmann / pixelio.de)

"Evangelium und Kirche" hat sich bei der Evangelischen Kirchenwahl am 1. Dezember klar als dritte Kraft in der Landessynode behauptet. Mit 15 gewählten Synodalen hat EuK allerdings drei Sitze weniger als nach der letzten Kirchenwahl im Jahr 2007. Die "Offene Kirche" gewann im Vergleich zur letzten Kirchenwahl als einziger Gesprächskreis Sitze dazu und darf – obwohl weiterhin nur zweitgrößte Kraft – als Wahlgewinnerin gelten. Sie vergrößerte ihren Synodalen Gesprächskreis um fünf Sitze. Die "Lebendige Gemeinde" büßte einen Sitz ein, "Kirche für morgen" zwei Sitze.

Von den 15 neuen EuK-Synodalen sind acht Theologinnen und Theologen und sieben Nichttheologen. Dieses ausgewogene Verhältnis von Theologen und Nichttheologen – im Wahljargon "Laien" genannt – gibt es sonst bei keinem anderen Gesprächskreis in der neuen Landessynode. Von den neun bisherigen EuK-Synodalen, die wieder zur Wahl angetreten sind, wurden sechs gewählt. Leider nicht mehr in der neuen Synode vertreten werden Ellen Winkler-Oberman, Winfried Dalferth und Reinhard Kafka sein.  

Alle gewählten Kandidatinnen und Kandidaten finden Sie auf unserer Sonderseite.  

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