EuK-Jahrestagung 2018: Schwieriges Thema mit Rekordbeteiligung

Über das Kreuz und seine Bedeutung im christlichen Glauben diskutierten Anfang Oktober 2018 in Herrenberg die Teilnehmenden der Jahrestagung von Evangelium und Kirche.

Das heikle Thema hatte in der öffentlichen Wahrnehmung zum Beispiel beim Kreuz-Erlass der bayrischen Landesregierung heftige Debatten ausgelöst. Aber auch unter Gläubigen ist die Bedeutung des Kreuzes umstritten. Dennoch wurde die Jahrestagung der Gruppe mit einer Rekordbeteiligung durchgeführt: 70 Personen waren dabei. Der Landesvorsitzende der Gruppe Ernst-Wilhelm Gohl sieht darin eine Bestätigung der Linie von Evangelium und Kirche: "Die Rekordbeteiligung zeigt: Es gibt ein großes Interesse, auch herausfordernde Themen theologisch fundiert zu diskutieren. Emotionalisierte Alibidebatten, Fundamentalismus oder Beliebigkeit sind falsche Alternativen".

Der Referent Dr. Jochen Arnold ist nicht nur promovierter und habilitierter systematischer Theologe an der Uni Leipzig, sondern auch studierter Kirchenmusiker. Er leitet das Evang. Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik der Hannoverschen Landeskirche am Michaeliskloster Hildesheim. Unter anderem ist er Herausgeber der erfolgreichen Reihe „gemeinsam gottesdienst gestalten“ (ggg). Er erinnerte bei der Tagung nicht nur an traditionelle Passionslieder aus dem Gesangbuch, sondern stellte auch zahlreiche neue Lieder vor.

Arnold favorisierte in seinen Ausführungen ein „Karfreitagschristentum“ gegenüber einem „Weihnachtschristentum“. Im Glauben und auch in der Feier des Abendmahls soll deshalb das Thema „Sünde“ seinen Platz haben. „Wer die Realität der Sünde und ihre Folgen für die Menschheit bestreitet, wird auch die Aussagen über das Heil für die Welt nicht wollen“, stellte Arnold fest. Das Kreuz bedeute eine Durchbrechung der Gewalt. Jesus habe die Feindesliebe, die er gepredigt hat, bei seinem Tod am Kreuz konsequent gelebt. Der Privatdozent für Systematik und Praktische Theologie an der Uni Leipzig kritisierte die Aussage, Gottes Zorn hätte in Jesus ein Opfer gefordert. „Gott fordert kein Opfer. Er versöhnte die Welt mit sich selbst“, bekräftigte Arnold. Stattdessen gehe es beim Kreuz um die Liebe Gottes. Mit einem Augenzwinkern zitierte der Kirchenmusiker die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach: „Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.“

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Das Programm der EuK-Herbsttagung 2018: "Das Kreuz - mehr als ein Symbol"
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